Die Killmeyer Methode
Wahrhaftiges Schauspiel
Wahrhaftiges Schauspiel
Seit über vierzig Jahren begleite ich Schauspielerinnen und Schauspieler auf ihrem Weg – als Coach, Regisseur und Schauspieler selbst. In dieser Zeit habe ich unzählige Methoden studiert, unterrichtet und in der Praxis erprobt. Immer wieder stellte sich mir dieselbe Frage:
Stanislawski spricht von Zielen und Handlungen. Meisner von der Wahrheit des Augenblicks. Michael Chekhov von Imagination und schöpferischer Kraft. Method Acting sucht emotionale Authentizität. Keith Johnstone befreit den Schauspieler von Angst und Kontrolle.
Alle diese Ansätze enthalten wertvolle Erkenntnisse – doch keiner allein reicht aus, um den Anforderungen des modernen Schauspiels vor Kamera und Bühne gerecht zu werden. Aus dieser Erkenntnis ist die **Killmeyer-Methode** entstanden: ein System, das die wirksamsten Werkzeuge der bedeutendsten Schauspielschulen zu einem klaren, praxisnahen Ganzen verbindet. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Technik, sondern der Mensch.
—
Ziel der Figur, die „Magische-Wenn-Frage“ und die Analyse der gegebenen Umstände geben jeder Rolle eine klare, nachvollziehbare Orientierung. Ohne Struktur entsteht Beliebigkeit.
Der Zugang zu persönlicher Erfahrung macht Gefühle glaubwürdig erlebbar – konzentriert auf jene Werkzeuge, die nachhaltige, sichere emotionale Verfügbarkeit ermöglichen, statt auf extreme Formen emotionaler Erinnerung zu setzen.
Schauspiel entsteht nicht im eigenen Kopf, sondern in der Beziehung zum Partner. „Schauspiel ist wahrhaftiges Verhalten unter imaginären Umständen“ – echtes Zuhören und spontane Reaktion sind der Schlüssel.
Nicht jede Figur lässt sich aus eigener Biografie speisen. Imagination, Atmosphäre und die psychologische Geste erlauben es, auch Erfahrungen zu verkörpern, die man selbst nie gemacht hat.
Viele Schauspieler besitzen Talent und Technik – und bleiben trotzdem blockiert, meist durch Angst, Kontrolle und Selbstzensur. Statusarbeit, Improvisation und die Akzeptanz von Fehlern lösen genau diese Blockaden.
Erst wenn alle fünf Säulen zusammenwirken, entsteht vollständiges Schauspiel:
Stanislawski gibt Richtung, Method Acting emotionale Tiefe, Meisner die Beziehung, Chekhov die Vorstellungskraft, Johnstone die Freiheit.
—
Fehlt eine dieser Kräfte, verliert das Spiel an Lebendigkeit. Sind alle fünf vorhanden, entsteht das, was ein Publikum intuitiv als echtes Leben vor der Kamera oder auf der Bühne erlebt. Diese Formel bildet das Fundament aller Übungen, Probenprozesse und Rollenarbeiten der Killmeyer-Methode.
Einige der zehn Grundprinzipien, die daraus folgen:
—
Die Killmeyer-Methode ist in sechs Teile gegliedert, die systematisch vom Grundverständnis bis zur professionellen Praxis vor der Kamera führen:
Teil I – Das Fundament:
Präsenz, Handlung statt Gefühl, das Ziel als Motor jeder Rolle, die Bedeutung des Partners, emotionale Wahrheit ohne gespieltes Gefühl.
Teil II – Die Dynamik des Spiels:
Status als unsichtbare Macht in jeder Szene, Spontaneität und Improvisation als kürzester Weg zur Wahrheit.
Teil III – Die Rolle:
Vom Text zum lebenden Menschen – Figurenbiografie, Subtext, psychologische Geste und die Stimme der Figur.
Teil IV – Szenenarbeit:
Die Szene als kleinste Einheit des Dramas, Beats und Wendepunkte, Konflikt, Rhythmus und die Killmeyer-Szenenanalyse.
Teil V – Film:
Filmschauspiel („weniger tun, mehr bewirken“), Arbeit mit der Nahaufnahme, Kontinuität, Selftapes und Castings, professionelles Arbeiten am Set.
Teil VI – Training & Meisterschaft:
Die häufigsten Fehler von Schauspielern, Blockaden lösen, Umgang mit Lampenfieber und Selbstzweifel, die Arbeit an Hauptrollen.
Jedes Kapitel verbindet Theorie mit konkreten Übungen und Reflexionsfragen – die Killmeyer-Methode ist kein Buch, das man liest, sondern eines, mit dem man arbeitet.
Für wen ist die Killmeyer-Methode?
Die Methode richtet sich an Schauspielschüler, professionelle Schauspieler, Regisseure und Coaches – an alle, die tiefer verstehen wollen, was lebendiges, wahrhaftiges Schauspiel vor Kamera und auf der Bühne ausmacht. Wer freier, mutiger und unmittelbarer ins Spiel kommen möchte, findet hier ein klares, praxiserprobtes System statt widersprüchlicher Einzeltechniken.
Echtes Schauspiel beginnt dort, wo Menschen aufhören, etwas darzustellen, und beginnen, etwas zu erleben.
— Hermann Killmeyer
—
Die Buchreihe
Die Killmeyer-Methode ist der zweite Band einer dreiteiligen Buchreihe von Hermann Killmeyer:
Band 1 – Wahrhaftiges Schauspiel: Der Mensch hinter der Rolle.
Kein Lehrbuch im klassischen Sinn, sondern der persönliche Weg des Autors – vom jungen Schauspieler über das Max Reinhardt Seminar, die härtesten Proben seines Lebens und den Kampf gegen die eigene Kontrolle bis zur Erkenntnis, die sein Coaching bis heute prägt: Der Zuschauer glaubt nicht an eine Rolle, er glaubt an einen Menschen. Im Zentrum steht die Frage, die jede Arbeit eröffnet – nicht „Welche Rolle spielt er?“, sondern „Wer ist dieser Mensch?“
Kostprobe:
„Hör zu. Und sieh deinem Partner in die Augen.“ Dieser Rat meines Lehrers, des großen Burgschauspielers Fritz Muliar, klang damals fast zu einfach. Heute weiß ich, dass in diesen wenigen Worten eine ganze Schauspielschule steckt. Wer seinem Partner wirklich in die Augen sieht, wartet nicht auf seinen nächsten Einsatz. Er begegnet einem Menschen. Und genau dort beginnt Wahrhaftigkeit.*
Band 2 – Die Killmeyer-Methode: Die fünf Säulen authentischen Schauspiels. Das systematische Arbeitsbuch zur Methode.
Übung zum Ausprobieren – Der leere Blick:
Stellen Sie sich in einen Raum. Suchen Sie keinen bestimmten Punkt, bewerten Sie nichts, benennen Sie nichts. Lassen Sie Ihren Blick frei durch den Raum wandern und nehmen Sie nur wahr: Licht, Farben, Formen, Geräusche, Bewegungen. Fünf Minuten täglich reichen aus. Ziel der Übung ist nicht Entspannung – Ziel ist Wahrnehmung.
Band 3 – Praxisbuch Castings: 50 Schauspielübungen für Film- und Fernsehcastings
Konkrete Übungen zu Konzentration und innerer Ruhe, Wahrnehmung und Imagination sowie emotionaler Wahrheit – gezielt für die Anforderungen von Castings und Vorsprechen.
Übung zum Ausprobieren – Der Konzentrationskreis:
Setzen Sie sich bequem auf einen Stuhl. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit etwa eine Minute lang ausschließlich auf Ihre Hände – die Haut, die Linien, die Temperatur, die Bewegung der Finger. Erweitern Sie den Kreis: Nehmen Sie den Stuhl wahr, dann nach einer weiteren Minute den ganzen Raum – Wände, Licht, Geräusche, Gegenstände. Vor einem Casting reichen oft schon wenige Minuten dieser Übung, um Nervosität zu reduzieren und im gegenwärtigen Moment anzukommen.
Alle drei Bände erscheinen in Kürze im Buchhandel, bei Amazon und auf dieser Website.
—
*Möchten Sie die Killmeyer-Methode in der Praxis erleben? [Vereinbaren Sie ein kostenloses Kennenlerngespräch] oder informieren Sie sich über unsere [Kurse und Coachings].